Der Gierige ist mit nichts zufrieden
Es war einmal in einem faszinierenden Himmelsland, das sich hinter silbernen Wolken verbarg, lebte ein sehr schöner Mond. Dieser Mond erhellte nachts die dunkle Welt und tanzte freudig mit den Sternen. Der Mond hatte jedoch ein sehr veränderliches Wesen, eine tiefe Unruhe, die nicht vergehen wollte, egal was er tat. Er beschwerte sich ständig über seine Kleidung und sagte, er könne kein perfektes Kleid finden, das ihm passe. Schließlich beschloss er, zu seiner weisen Mutter zu gehen, die Schneiderin war, und sie mit koketter Stimme zu bitten.
"Liebe Mutter, nähe mir ein so helles und elegantes Kleid, dass jeder über meine Schönheit spricht", sagte er. Seine Mutter sah ihre Tochter mit liebevollen Augen an und machte sich sofort an die Arbeit, indem sie ihre Seidenfäden vorbereitete. Sie arbeitete einige Tage lang Tag und Nacht und nähte ein prachtvolles Kleid, das mit Silberfäden bestickt war. Doch als das Kleid fertig war, war es dem Mond sehr weit, da er die Form einer dünnen Sichel angenommen hatte. Der Mond runzelte sofort die Stirn und schrie: "Dieses Kleid fällt mir vom Leib, es gefällt mir gar nicht!" Die geduldige Mutter verengte das Kleid, ohne zu klagen, und machte es vollkommen passend für den neuen Zustand ihrer Tochter.
Einige Nächte später wurde der Mond jedoch ganz rund, wurde zum Vollmond und begann zu strahlen. Diesmal war das verengte Kleid am eng umschlungenen Körper des Mondes so eng, als würde es gleich platzen. "Mutter, in diesem engen Kleid, das du genäht hast, kann ich nicht einmal atmen!", beschwerte er sich weiter. Die geschickte Mutter legte Nadel und Schere in ihrer Hand langsam auf das Silbertablett und seufzte tief. Sie näherte sich ihrer Tochter voller Mitgefühl und begann: "Ach, meine schöne, aber unentschlossene Tochter."
"Wie kann ich dir ein Kleid nähen, das perfekt passt, wenn du nie gleich bleibst?", sagte sie. "Manchmal bist du eine winzige Sichel und manchmal ein riesiger, runder Vollmond", fügte sie hinzu. "Wegen deiner wechselnden Wünsche und deines sich ständig verändernden Körpers kann niemand auf der Welt ein Kleid nähen, das dir passt." Beschämt über die berechtigten Worte seiner Mutter schwieg der Mond und verstand endlich seinen Fehler. Wer sich mit seinen ständig wechselnden Wünschen nicht zufrieden zu geben weiß, kann niemals Frieden finden, egal was getan wird. Der Gierige kriegt den Hals nie voll.