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Der gerupfte Pfau

Niveau C1 · 371 Wörter

Der gerupfte Pfau

Es war einmal, tief in einem zauberhaften Wald, in dem der Wind sanft wehte, ein hochmütiger Pfau. Wenn das Sonnenlicht auf seine smaragdgrünen und dunkelblauen Federn fiel, hielt er sich für das vollkommenste Wesen der Welt. Er blickte ständig auf die anderen bescheidenen Vögel des Waldes herab und hatte großes Vergnügen daran, ihre matten Farben zu verspotten. Obwohl die Waldbewohner ein tiefes Unbehagen über sein verletzendes Benehmen empfanden, schwiegen sie lange Zeit. Doch der Hochmut des Pfaus wuchs mit jedem Tag ein wenig mehr und wurde unerträglich. An einem Frühlingsmorgen verkündeten die Vögel, die sich auf der großen Wiese mitten im Wald versammelt hatten, dass sie ihren König wählen würden. Der stolze Pfau breitete seinen prächtigen Schwanz wie einen Fächer aus und rief von dem hohen Felsen, auf dem er saß, den anderen zu.

"Seht euch diese bezaubernden Farben von mir an, natürlich muss ich der einzige wahre Herrscher unter euch sein!" rief er. Die weise Eule trat vor und antwortete ruhig auf seinen prahlerischen Auftritt. "Schönheit liegt nicht nur im äußeren Aussehen; nun, wie wirst du uns in einem Augenblick der Gefahr schützen?" fragte sie. Der Pfau lachte spöttisch über diese Frage und sagte, während er die Krähen ansah: "Hässliche wie ihr braucht ohnehin Schutz." Über diese schwere Beleidigung gerieten alle Vögel im Wald in einen tiefen Zorn. Die Spatzen, die Tauben und die Krähen flüsterten miteinander und beschlossen, dem hochmütigen Pfau eine Lehre zu erteilen, die er nie vergessen würde. Alle zusammen stürmten sie los und begannen auf jenen prunkvollen Schwanz zuzufliegen, dem er so sehr vertraute.

Einer nach dem anderen griffen die Vögel an und begannen, die glänzenden Federn des Pfaus mit Schnabelhieben eine nach der anderen auszurupfen. Der Pfau, der sich hilflos wand, sah mit angsterfüllten Augen zu, wie die Federn, auf die er so stolz gewesen war, durch die Luft flogen. Innerhalb weniger Minuten hatte er all jene prächtigen Farben verloren, und übrig blieb nur ein nackter, hässlicher Körper. Ohne eine Spur von Hochmut versteckte sich der Pfau vor Scham zwischen den Büschen und verschwand aus den Augen. Von nun an begriff das Waldvolk, dass nicht die Prahlerei, sondern die Bescheidenheit die größte Tugend ist. Wer sich seiner äußeren Schönheit rühmt und andere erniedrigt, verliert eines Tages auch die größte Quelle seines Stolzes. Vertraue nicht auf deine Schönheit, ein Pickel genügt; vertraue nicht auf deinen Reichtum, ein Funke genügt.