Der gefangene Wolf und der Igel
Es war einmal, im Herzen eines uralten Waldes, in dem dichte Bäume tiefen Schatten warfen, ein stolzer Wolf und ein kluger Igel. In diesem feuchten Land, in dem die mächtigen Eichen rauschten, war der gierige Wolf stets der Schrecken der schwachen Tiere gewesen. Der bescheidene Igel jedoch führte mit seinem scharfen Verstand und dem dornigen Panzer auf seinem Rücken ein friedliches Leben für sich. An einem Herbstmorgen fiel der schlaue Wolf, der auf den nebligen Pfaden nach Beute suchte, mit einem dumpfen Schlag auf den Grund einer tiefen Falle, die die Jäger gestellt hatten. Zwischen den hohen Erdwänden verzweifelt zappelnd, kam der Wolf, so sehr er sich auch mühte, aus dieser dunklen Grube einfach nicht heraus. Genau in diesem Augenblick erschien am Rand der Grube der winzige Igel, der durch die Büsche kam und auf das raschelnde Laub trat.
Der hochmütige Wolf, der die klägliche Lage zu verbergen suchte, in die er geraten war, rief den Igel mit süßen Worten an und erhoffte sich Hilfe. "Oh, mein alter Freund, sei so gut und spring in diese Grube, damit ich auf die starken Stacheln auf deinem Rücken treten und hinaufklettern kann!", flehte er. Der Igel, der die Hinterlist in der Absicht des Wolfes und den Funken des Hungers in seinen Augen sofort bemerkte, trat einen Schritt zurück. "Wenn ich dir helfe, woher soll ich wissen, dass du mich nicht zu einem leckeren Happen machst, sobald du aus der Grube bist?", fragte er. Der Wolf vergoss sogleich falsche Tränen und sagte: "Niemals würde ich so etwas Böses tun, rette mich nur aus dieser engen Falle!" Der kluge Igel fiel auf die Versprechen des Wolfes nicht herein und beschloss, ihm eine schlaue Lektion zu erteilen.
"Wenn du mich nicht fressen willst, strecke zuerst deine Nase nach oben, damit ich mich an dich klammern und hinaufgezogen werden kann", sagte er. Als der Wolf ungeduldig seine Nase nach oben streckte, stach der Igel die spitzen Stacheln auf seinem Rücken mitten in die empfindliche Nase des Wolfes. Vor Schmerz aufheulend, drehte sich der Wolf zurück und rollte wieder auf den Grund der Grube. Der Igel aber beobachtete aus sicherer Entfernung ruhig das hilflose Zappeln des Wolfes. Die Bosheit, die in die selbst gegrabene Grube fiel, konnte der verdienten Strafe nicht entkommen, auch wenn sie sich hinter süßen Worten verbarg. Während die Schreie des schlauen Wolfes im Wald widerhallten, entfernte sich der kluge Igel mit langsamen Schritten zu seinem eigenen sicheren Nest. Ein wacher Verstand, der sich von den süßen Versprechen böswilliger Menschen nicht täuschen lässt, geht aus jeder Gefahr stets siegreich hervor. Wer durch eigene Schuld fällt, weint nicht.