Der Fuchs und die Katze
Vor langer Zeit lebte am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein prächtiger Fuchs, der stolz auf seine Schläue war. Eines Tages begegnete dieser stolze Fuchs einer bescheidenen Katze, die ruhig auf dem Ast eines Baumes ruhte. Der Fuchs wedelte hochmütig mit seinem schönen Schwanz, trat an die Katze heran und blickte auf sie herab. Das stille und würdevolle Wesen der Katze löste dem eingebildeten Fuchs vollends die Zunge. Unter dem goldenen Licht, das durch die sattgrünen Blätter fiel, begannen die beiden Tiere ein tiefes Gespräch. Der Fuchs blähte die Brust auf und fragte: "Wie viele verschiedene Mittel hast du, um dir im Augenblick der Gefahr zu helfen?" Die Katze lächelte aufrichtig und sagte: "Ich habe nur ein einziges Mittel, und das ist, auf einen Baum zu klettern."
Als der Fuchs diese Antwort hörte, blähte er sich auf und brach in lautes Gelächter aus. "Wie schade um dich", sagte der Fuchs, "in meiner Satteltasche liegen ganze hunderttausend Listen, um den Jägern zu entkommen." Die Katze hörte dem Prahlen des Fuchses schweigend zu und erwies seiner reichen Erfahrung Achtung. Doch genau in diesem Augenblick war aus der Ferne das schreckliche Bellen wilder Jagdhunde zu hören. Mit dem Laut, den der Wind herantrug, entfloh der Friede des Waldes im Nu. Es war deutlich zu erkennen, dass die Jäger und die wilden Hunde näher kamen. Ohne Zeit zu verlieren, griff die Katze zu dem einzigen Mittel, das sie kannte, und kletterte sogleich auf den Wipfel einer hohen Eiche.
Im sicheren Schatten des Astes verborgen, rief die Katze dem Fuchs zu, der sich unten verwirrt hin und her warf. "Beeil dich, Bruder Fuchs, wähle eine deiner hundert Listen und rette dein Leben!", rief sie. Doch der schlaue Fuchs konnte sich unter den tausend Listen in seinem Kopf nicht entscheiden und geriet ins Zögern. Als der Fuchs zauderte, weil er nicht wusste, welchen Weg er wählen sollte, umringten ihn im Nu gierige Jagdhunde. Der Fuchs, der Hunderte von Plänen besaß, wurde ein Opfer seiner Unentschlossenheit und konnte nicht entkommen. In schweren Zeiten rettet statt tausend unentschlossener Pläne ein einziges wirksames Mittel das Leben. Wer viel weiß, irrt viel.