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Der Fuchs und der Fährmann

Niveau C1 · 365 Wörter

Der Fuchs und der Fährmann

Vor langer Zeit ruderte am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein alter Fährmann in Frieden. Auf der anderen Seite des Flusses aber streifte ein schlauer Fuchs umher, dem der Duft der Obstgärten den Kopf verdrehte. Dieser Fuchs mit dem roten Fell musste die kühlen Wasser des Flusses überqueren, um die köstlichen Speisen am gegenüberliegenden Ufer zu erreichen. Der Fuchs, der nicht schwimmen konnte, sah das hölzerne Boot am Ufer angebunden und ersann sogleich in seinem Kopf einen heimtückischen Plan. Mit vor Gier funkelnden Augen näherte sich der Fuchs mit schweren Schritten dem Fährmann und begann mit süßer Zunge zu reden. "O kunstfertiger Fährmann, wenn du mich ans gegenüberliegende Ufer bringst, schenke ich dir einen Sack voll Gold", sagte er.

Der habgierige Fährmann sah den schweren Sack auf dem Rücken des Fuchses, ließ sich sogleich von diesem Angebot betören und nahm ihn in sein Boot auf. Während sie zwischen den wilden Wellen des Flusses vorankamen, fuhr der Fuchs fort, geschmückte Worte zu reden, um den Verstand des Fährmanns zu verwirren. "In diesem Sack ist ein unschätzbarer Schatz verborgen, der Könige würdig ist", sagte er und steigerte die Neugier des Mannes noch mehr. Der alte Mann versank in Träumereien, griff mit noch größerem Eifer nach den Rudern und brachte das Boot rasch an das gegenüberliegende Ufer. In dem Augenblick, als sie das Ufer erreichten, sprang der schlaue Fuchs im Nu an Land und ließ den schweren Sack zu Füßen des Fährmanns liegen. "Der Handel ist abgeschlossen, dein Schatz liegt in diesem Beutel!", rief der Fuchs voller Freude.

Während der Mann aufgeregt versuchte, den Knoten zu lösen, verschwand der Fuchs im Gebüsch aus den Augen. Der ungeduldige Fährmann löste mit großer Neugier die Schnur des Sackes und blickte habgierig hinein. Doch statt Gold stoben zornige wilde Wespen aus dem Sack und umringten den unglücklichen Mann. In großem Erstaunen und Schmerz sprang der Fährmann in den Fluss und bezahlte teuer den Preis dafür, von der List getäuscht worden zu sein. Der Mann, dem die Habgier die Augen geblendet hatte, kam nass und hilflos ans Ufer und blickte dem Fuchs nach. Der schlaue Fuchs aber genoss in den Obstgärten am gegenüberliegenden Ufer den Geschmack seines Sieges. Wer sich vom Glanz leerer Versprechen mitreißen lässt, ist dazu verdammt, den bitteren Wahrheiten der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Lügen haben kurze Beine.