Der Fuchs und das Spiegelbild des Mondes
Es war einmal, tief in einem zauberhaften Wald, in dem silberne Flüsse plätscherten, lebte ein Schlauer Fuchs. Dieser Fuchs, dessen rotes Fell selbst bei Nacht glänzte, war für seine selbstsüchtige und unersättliche Neugier bekannt. In einer kühlen Herbstnacht, in der der Vollmond den Himmel wie eine Laterne erhellte, knurrte dem Fuchs der Magen vor Hunger. Der Fuchs, der auf die Stille des Waldes lauschte und nach Beute suchte, kam bis an den Rand eines klaren Teiches. Das stille Wasser des Teiches spiegelte den gewaltigen Vollmond am Himmel wider, genau wie ein riesiger Spiegel. Als der Fuchs jenen goldenen Schimmer auf dem Grund des Wassers sah, riss er vor Aufregung die Augen weit auf. "Aha!", flüsterte der Fuchs und leckte sich gierig die Schnurrhaare.
"Dort liegt ein riesiges rundes Stück frischen Käses, versteckt unter dem Wasser!" Der Fuchs, dessen Gier seinen Verstand überwog, beschloss, diesen köstlichen Käse mit niemandem zu teilen. Er dachte, dass er das ganze Wasser des Teiches austrinken müsse, um an den Käse zu gelangen. Sofort trat er ans Ufer und begann, in großen Zügen Wasser aus dem Teich zu trinken. Ein Schluck, zwei Schlucke, und innerhalb von Minuten schwoll sein Bauch wie eine Trommel an. Unterdessen lächelte eine weise Eule, die ihn von einem Ast aus beobachtete, über die Torheit des Fuchses. "Was du siehst, ist nur das Spiegelbild des Mondes am Himmel, Bruder Fuchs, müh dich nicht umsonst!", rief die Eule.
Doch der hochmütige Fuchs war zu gierig, um auf die Worte eines anderen zu hören. In dem Augenblick, als er sich bückte und in den Teich stürzte, um den Käse zu packen, verlor er das Gleichgewicht und fiel in das eisige Wasser. Mit den Wellen, die im Wasser entstanden, zerbrach der goldene Käse auf dem Grund im Nu in tausend Stücke und verschwand. Nass, durchnässt und mit einem geschwollenen Bauch kam der Fuchs an Land, hob den Kopf und blickte zum Himmel. Als er sah, dass der Vollmond unversehrt am Himmel stand, begriff er die Wahrheit und empfand tiefe Scham über seinen Fehler. Während er seinen Hunger stillen wollte, wurde er zugleich zum Gespött und zitterte vor Kälte. Wer sich vom Schein täuschen lässt und aus Gier handelt, ist dazu verurteilt, auch das Seine zu verlieren und in Enttäuschung zu enden. Ein wenig Gier bringt einen großen Verlust.