Der Feldherr und der Soldat
Es war einmal ein prächtiger Palast am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen. In diesem Palast lebte ein tapferer und stolzer Kommandant, der von seinem Volk sehr geliebt wurde. Der Kommandant war ein weiser Anführer, der durch seine großen Siege im ganzen Land berühmt geworden war. Während im Garten des Palastes der Duft der Linden aufstieg, hörte der Kommandant jeden Tag die Sorgen des Volkes an. An einem Sommermorgen kam ein alter Soldat, der in den früheren Kriegen Schulter an Schulter mit ihm gekämpft hatte. Der Soldat, der die Müdigkeit der Jahre im Gesicht trug, war wegen einer ungerechten Anklage vor das Gericht gekommen. Der alte Soldat verneigte sich mit Achtung vor seinem Kommandanten, mit tiefer Treue in den Augen.
„Mein Herr, mein Name ist in ein Unrecht geraten, und morgen trete ich vor das Gericht“, sagte er. Der Kommandant aber war sehr beschäftigt und bot ihm sofort an, einen Vertreter zu bestimmen. „Ich schicke meinen geschicktesten Anwalt zum Gericht, damit er dich verteidigt“, antwortete er. Als der alte Soldat diese Antwort hörte, tat ihm das Herz weh, und er zeigte seinen Arm voller Schwertnarben. Der Soldat sah dem Kommandanten in die Augen und machte ihm einen unvergesslichen Vorwurf. „Ach, mein großer Kommandant, als wir in jenem blutigen Krieg dem Feind gegenüberstanden, habe ich keinen anderen an meiner Stelle geschickt“, sagte er. „Während die Pfeile des Feindes auf uns regneten, habe ich meine Brust vor dich gestellt, ohne einen Augenblick zu zögern.“
Diese Worte voller Vorwurf drangen wie ein scharfes Messer in das Herz des Kommandanten. Die Erinnerung an die alten Tage und die Treue des Soldaten reichten, um die Augen des Kommandanten mit Tränen zu füllen. Der Kommandant, der seinen Fehler verstand, stand am Tag des Gerichts von seinem eigenen Thron auf und ging selbst in den Saal. Er stand neben seinem alten Freund und verteidigte ihn mit warmen Worten und mit Stolz. Der Soldat, dessen Unschuld bewiesen wurde, umarmte seinen alten Kommandanten mit dankbaren Augen und verließ den Palast in Frieden. Wahre Treue heißt nicht, an schweren Tagen einen Vertreter zu schicken, sondern selbst neben dem Freund zu stehen. Den wahren Freund erkennt man am dunklen Tag.