Der Esel und die Leier
Es war einmal ein lieber Esel, der am Rand eines alten Waldes lebte, wo kühle Wasser flossen. Dieser Esel graste sehr gern auf den grünen Wiesen und ruhte gern im Schatten der Kiefern. Wenn der Frühling kam, füllte sich der Wald mit bunten Blumen, und ein sanfter Wind wehte zwischen den Zweigen. Als der Esel eines Tages über das weiche Gras lief, sah er einen glänzenden Gegenstand aus Holz, der zwischen den Büschen versteckt war. Als er näher kam und genau hinsah, verstand er, dass es eine wunderbare Leier mit sehr dünnen Saiten war. Der zarte Körper des Instruments und seine in der Sonne glänzenden Saiten machten den Esel sehr neugierig. Neugierig machte er einen Schritt nach vorn und begann, diesen fremden Gegenstand mit der Nase zu untersuchen.
Dann hob er langsam seinen harten Huf und berührte leicht die Saiten der Leier. Plötzlich stieg ein lauter und zitternder Ton aus den Saiten auf und hallte im stillen Wald wider. Der Esel freute sich sehr über diesen Ton und stellte fröhlich seine Ohren auf. Doch weil seine Hufe zu grob waren, kam nur Lärm heraus, wenn er die Saiten berührte. Er wollte sehr gern eine schöne Melodie machen, aber es gelang ihm überhaupt nicht. Er spürte die Schönheit, die die Leier geben konnte, aber er verstand auch sein eigenes Unvermögen. Mit einem tiefen Seufzer sah der Esel die Saiten an und sprach traurig zu sich selbst.
„Wie schade, dass dieses feine Instrument, das in die Hände eines guten Musikers gehört, zu mir gekommen ist“, sagte er. Wenn ein geschickter Künstler diese Leier fände, würde er den ganzen Wald mit wunderbaren Melodien verzaubern. Aber meine groben Hufe machen nur Lärm und können diesem schönen Instrument seinen Wert nicht geben. Damit er die Schönheit der Leier nicht verletzte, trat der Esel mit Achtung zurück und legte das Instrument auf das Gras. Er verstand, dass er sich nicht mit Gewalt an Arbeiten wagen würde, für die sein Können nicht reichte, und ging ruhig seinen Weg weiter. Er genoss weiter die Wiesen und das einfache Leben, das zu seiner eigenen Natur passte. Jede Arbeit hat ihren Meister, und der wahre Wert zeigt sich nur in geschickten Händen. Die Arbeit gehört dem, der sie kann, und das Schwert dem, der es tragen kann.