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Der Esel und die Gerste

Niveau B2 · 311 Wörter

Der Esel und die Gerste

Es war einmal auf einem hübschen Bauernhof am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein Esel und ein Schwein. Der Esel wachte mit dem ersten Licht des Morgens auf und trug bis zum Abend geduldig die schweren Lasten seines Herrn. Am Ende des müden Tages gab man dem fleißigen Esel nur trockenes Stroh und ein wenig Hafer. Das Schwein aber, das im geschmückten Stall daneben saß, arbeitete nie und genoss den ganzen Tag den Schatten. Der Bauer bot ihm jeden Abend leckere, frische und nährende Gerstenkörner an. Der Esel sah neidisch auf die goldene Gerste vor dem Schwein und war traurig über seinen eigenen Zustand.

Eines Tages hielt er es nicht mehr aus, trat zu dem Schwein und sprach mit einem Seufzer. „Wie glücklich du bist, du frisst die süßeste Gerste, ohne jemals müde zu werden“, sagte er. „Ich aber arbeite den ganzen Tag, bis sich mein Rücken beugt, und begnüge mich doch mit trockenem Stroh.“ Das Schwein prahlte stolz, zeigte seinen feisten Körper und lachte laut. „Unser Herr kennt meinen Wert, du taugst nur zum Lastentragen“, antwortete es. Wochen vergingen, das Schwein wurde richtig fett und so schwer, dass es sogar beim Gehen Mühe hatte.

Eines Tages kam ein Metzger auf den Hof, holte das fette Schwein aus dem Garten und führte es fort. Als der Esel das bittere Ende des Schweins sah, empfand er ein großes Staunen und eine große Furcht. Als es Abend wurde, legte der Bauer die frische Gerste, die vom Schwein übrig war, vor den Esel. Doch der kluge Esel verstand die verborgene Gefahr hinter der leckeren Gerste. Er zog den Kopf zurück und trat nicht einen einzigen Schritt näher an jene süße Gerste. Er wandte sich seinem eigenen einfachen Stroh zu und begann es in Frieden zu kauen. Statt des gefährlichen Überflusses eines anderen ist der kleine Frieden, den du mit eigenem Schweiß verdienst, weit wertvoller. Wenig Essen, sorgenfreier Kopf.