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Der Esel und das Schwein

Niveau C1 · 356 Wörter

Der Esel und das Schwein

Vor langer Zeit lebte am Rand eines alten Waldes, durch den kühle Wasser munter plätschernd flossen, ein alter Bauer. Im Stall dieses Bauern gab es einen fleißigen Esel, der von morgens bis abends ohne Unterlass arbeitete. Jeden Tag trug der Esel schwere Säcke auf dem Rücken und nahm geduldig die ganze Last der harten Arbeit auf dem Feld auf sich. Gleich nebenan aber, hinter den hölzernen Zäunen, lag ein fettes Schwein, das seine Tage verbrachte, ohne irgendeine Arbeit zu tun. Jeden Morgen bot der Bauer diesem fetten Schwein die köstlichsten Früchte und frisches Korn in Fülle an. Der Esel blickte auf die Handvoll trockenes Stroh, die man ihm vorsetzte, und stieß einen tiefen Seufzer aus. An einem Abend, als ihm vor Müdigkeit die Knie nachgaben, trat er mit neidischen Augen zu seinem Nachbarn, dem Schwein.

"Wie glücklich du bist, mein Freund; den ganzen Tag liegst du müßig im Schatten", sagte er. "Ich dagegen schinde mich den ganzen Tag mit schweren Lasten auf dem Rücken auf staubigen Wegen." Das Schwein streckte sich hochmütig an seinem Platz und kaute weiter an dem süßen Apfel in seinem Maul. "Unser Herr kennt meinen hohen Wert, dir aber hält er nur dieses wertlose Stroh für angemessen", prahlte es. Der Esel, den dieser ungerechte Zustand sehr betrübte, senkte den Kopf und schlief still ein. Doch wenige Tage später begannen auf dem Hof die Vorbereitungen für ein großes und fröhliches Festmahl. Der Bauer und seine kräftigen Gehilfen gingen mit scharfen Messern in den Händen geradewegs auf den Pferch des Schweines zu.

Das Schwein, das nicht begriff, was geschah, stieß bittere Schreie aus und versuchte in seiner Hilflosigkeit zu fliehen. Doch sein Herr führte das Schwein, das er so lange sorgsam gemästet hatte, fort, um es für die Festtafel zuzubereiten. Das Herz des Esels, der aus der dunklen Ecke des Stalles voller Entsetzen zusah, was geschah, krampfte sich vor tiefer Furcht zusammen. In jenem Augenblick begriff er die bittere Wahrheit hinter all der mühelosen Bequemlichkeit und den köstlichen Speisen. Während er in Ruhe sein trockenes Stroh kaute, verstand er, wie kostbar sein eigenes sicheres und schlichtes Leben war. Statt den gefährlichen Überfluss anderer zu beneiden, ist ein bescheidener Friede, den du mit eigener Mühe verdienst, besser als alles. Wenig Essen, sorgenfreier Kopf.