Der entlaufene Sklave
Es war einmal am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein grausamer Kaufmann. Ein junger und mutiger Diener, der für diesen Kaufmann arbeitete, konnte die Ungerechtigkeiten nicht ertragen und floh in den Wald. Dieser dunkle Wald, der in allen Grüntönen bedeckt war, gab dem Jüngling große Hoffnung gemischt mit Angst. Der müde junge Mann flüchtete in eine tiefe Höhle zwischen den Felsen, um die Nacht zu verbringen. Während er sich an die kühlen Wände der Höhle lehnte und ausruhte, kam plötzlich eine stöhnender Löwe aus der Dunkelheit heraus.
Der vor Angst zitternde Jüngling erwartete, dass das wilde Tier ihn angreifen würde, aber der Löwe streckte nur seine Pfote aus. Als er genau hinsah, bemerkte der junge Mann einen riesigen und spitzen Dorn, der in der riesigen Pfote steckte. "Fürchte dich nicht, mein Freund, ich werde dir helfen", sagte er und zog mutig den Dorn aus der Pfote. Der erleichterte riesige Löwe legte seinen Kopf auf das Knie des Jünglings, als wollte er sich bedanken, und legte sich neben ihn. In jener Nacht schliefen die beiden Freunde vertrauensvoll in der Höhle in einen friedlichen Schlaf ein. Doch einige Tage später fanden die Soldaten des grausamen Kaufmanns die Spur des Jünglings und nahmen ihn fest.
In den Kerker geworfen, wurde der junge Mann dazu verurteilt, zur Strafe hungrigen Löwen vorgeworfen zu werden. Vor der auf dem Platz versammelten Menge öffnete sich die Käfigtür mit großem Lärm. Der herausstürmende riesige Löwe hielt plötzlich inne, genau als er auf den Jüngling springen wollte. Das riesige Tier erkannte den Jüngling wieder und begann, statt wild zu brüllen, freundlich seine Hände zu lecken. Der König beobachtete dieses wunderbare Ereignis mit Erstaunen, rief den jungen Mann sofort zu sich und fragte nach seiner Geschichte.
Als der König die Wahrheit erfuhr, belohnte er den Mut des Jünglings und die Treue des Löwen und ließ beide frei. Ein kleiner Schritt aus Güte verwandelt sich in den schwersten Zeiten in einen großen Schild, der einen Menschen rettet. Wer Gutes tut, dem widerfährt Gutes.