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Der Dieb und der Teufel

Niveau C1 · 368 Wörter

Der Dieb und der Teufel

Es war einmal, in einer alten, für ihre Verfallenheit berühmten Stadt hinter den verschneiten Bergen, ein Mann namens Cihan, dem die Gier die Augen verhüllt hatte. Cihan hielt es für eine Last, im Schweiße seines Angesichts zu verdienen, und rechnete es sich als Kunst an, den Unterhalt anderer ungerecht zu stehlen. In einer nebligen Nacht, als sich tiefe Finsternis über die Stadt gesenkt hatte, machte er sich heimlich auf den Weg zum Herrenhaus des reichen Karawanenführers. Auf halbem Wege trat ihm plötzlich ein fremder Mann mit lauter Stimme entgegen, der aus den Schatten hervorglitt und dessen Augen wie Glut leuchteten. Cihan, der voller Furcht zurückwich, begriff sogleich, dass dieser seltsame Wanderer kein gewöhnlicher Mensch war. Der Fremde blickte Cihan mit einem hinterlistigen Lächeln an und sagte: "Fürchte dich nicht, mein Freund, auch ich bin ein Künstler, der es liebt, die Mühe anderer zu stehlen, genau wie du."

Cihan schlug vor: "Wenn deine Absicht dieselbe ist, lass uns das Gold des Karawanenführers gemeinsam stehlen und halb und halb teilen." Der Fremde brach in Gelächter aus und antwortete: "Das Gold sei dein, mein Auge ruht auf einer weit kostbareren Beute." Gemeinsam glitten sie durch den Garten des riesigen Herrenhauses hinein und erreichten mühelos den Raum, in dem die gewaltige Goldtruhe stand. Während Cihan die Juwelen in seinen Sack füllte, verwandelte sich der Fremde plötzlich in einen riesigen, furchterregenden Schatten und tauchte den Raum in tiefe Finsternis. Der Teufel, dessen wahres Gesicht ans Licht kam, brüllte: "Mein Anliegen ist nicht das Gold, sondern die dunkle Seele eines habgierigen Diebes wie dir!" Cihan, der die schrecklichen Höllenflammen des Teufels sah, begriff mit Entsetzen den letzten Punkt, den das Böse erreicht.

Cihan, dessen ganze Gier nach Reichtum im Nu verflog, schleuderte den Sack in seiner Hand zu Boden und begann mit aller Kraft nach draußen zu fliehen. Während das Gelächter des Teufels in seinen Ohren gellte, lief er die ganze Nacht atemlos und warf sich an die Tür eines sicheren Gotteshauses. Nach jener Nacht lernte Cihan durch bittere Erfahrung, in welch schrecklichen Abgrund unrechter Gewinn den Menschen reißt. Er schwor, nie wieder die Hand nach fremdem Gut auszustrecken und ein ehrliches Leben zu führen. Wer sich mit dem Bösen auf den Weg macht, hat am Ende nur das Unglück zum Gefährten. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.