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Der Dichter und die Könige

Niveau B2 · 348 Wörter

Der Dichter und die Könige

Es war einmal in einer alten Küstenstadt, wo Winde wehten, die nach dem Meer rochen, ein begabter Dichter namens Simonides. Seine Verse verbreiteten sich von Ohr zu Ohr und hauchten der Seele der Zuhörer einen feinen Frieden ein. Eines Tages lud der hochmütige König der Stadt den Dichter in seinen Palast ein, damit er ihm zu Ehren ein prächtiges Loblied schreibe. In dem großen Saal, der von goldenen Laternen erhellt wurde, setzte der Dichter die Feder aufs Papier und schuf ein einzigartiges Werk. Doch in diesem tiefen Gedicht hatte er nicht nur den König, sondern auch die schützenden Zwillingsgötter mit erhabenen Worten gelobt. Als der Tag des großen Festmahls kam, las der Dichter sein Gedicht vor dem Volk des Palastes laut vor. Dieses Werk, das mit bezaubernden Melodien vollendet wurde, ließ alle im Saal staunen.

Doch als der gierige König sah, dass die Hälfte des Lobes den Göttern gewidmet war, runzelte er die Stirn. Er reichte dem Dichter nur die Hälfte des versprochenen Goldes und sprach mit kalter Stimme. „Du hast die Hälfte deines Gedichts mir und die Hälfte den Zwillingsgöttern gewidmet“, sagte er hochmütig. „Darum nimm die Hälfte des Goldes von mir und geh, den Rest von den Göttern zu fordern, die du gelobt hast.“ Vor diesem respektlosen Verhalten bewahrte der Dichter sein Schweigen und senkte bescheiden den Kopf. Während das Festmahl mit Gelächter weiterging, näherte sich ein Diener aufgeregt dem Dichter. Er brachte die Nachricht, dass zwei junge Fremde, die zu Pferd am Tor warteten, ihn dringend riefen.

Voller Neugier verließ der Dichter den prächtigen Saal und trat in den kühlen Garten des Palastes hinaus. Kaum hatte er den Fuß nach draußen gesetzt, bemerkte er mit großem Staunen, dass niemand in der Nähe war. Genau in diesem Augenblick brach hinter ihm ein schrecklicher Lärm los, und die Decke des großen Palastes stürzte mit gewaltigem Getöse ein. Während der hochmütige König und seine unbarmherzigen Gäste unter den Trümmern blieben, wurde der Dichter auf wunderbare Weise gerettet. Der Dichter verstand, dass jene geheimnisvollen Jünglinge, die ihn hinausgerufen hatten, die Zwillingsgötter waren, deren Lob er geschrieben hatte. Wahre Mühe und Bescheidenheit sind immer wertvoller als die Krone hochmütiger Könige. Der Vogel, der zu hoch fliegt, hat sein Nest tief unten.