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Der bevorzugte Esel, der Fuchs und der Wolf

Niveau C1 · 379 Wörter

Der bevorzugte Esel, der Fuchs und der Wolf

Vor langer Zeit lebte am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser rauschend flossen, ein sehr stolzer Esel. Weil dieser Esel im besonderen Dienst des Palastes arbeitete, hielt er sich stets für überlegen gegenüber allen anderen Geschöpfen des Waldes. An einem warmen Nachmittag, als die Sonne durch die Blätter drang, begegnete er auf einem versteckten Pfad einem schlauen Fuchs und einem hungrigen Wolf. Der Wolf, der glaubte, eine appetitliche Beute gesehen zu haben, wollte mit ungeduldigen Schritten sofort nach vorn stürzen. Aber der kluge Fuchs hielt misstrauisch inne, als er den mit Goldfaden bestickten Sattel auf dem Rücken des Esels sah, und hielt den Arm seines Gefährten fest. Der schlaue Fuchs flüsterte, dass dieses prächtige Tier eine besondere, von der Krone verliehene Unantastbarkeit besitzen könnte. Der Esel ließ sich überhaupt nicht stören, hob den Kopf mit hochmütiger Miene und begann in ruhigem Ton zu sprechen.

"Ich bin ein sehr bevorzugtes Mitglied des Hofes, das unter dem persönlichen Schutz des Herrschers steht", sagte er. "Der königliche Erlass, der euch verbietet, mir zu schaden, ist sorgfältig unter mein rechtes hinteres Hufeisen graviert", fügte er hinzu. Der Wolf, der vor Hunger blind war, achtete nicht auf dieses rechtliche Hindernis und erklärte, dass er den Erlass mit eigenen Augen lesen wolle. Der Fuchs jedoch gab die Vorsicht nicht auf und zog es vor, zurückzubleiben und die Ereignisse aus sicherer Entfernung zu beobachten. Der Wolf näherte sich mit großer Neugier hinter den Esel und neigte den Kopf nach unten, um die Schrift sehen zu können. Genau in dem Augenblick, auf den er gewartet hatte, sammelte der Esel seine ganze Kraft und versetzte einen heftigen Tritt. Der schwere Schlag traf mit großem Lärm den Kiefer des Wolfes.

Der verwirrte Wolf sprang mit einem Schrei voller Schmerz in die Luft und rollte in die dichten Büsche in der Nähe. Der Fuchs, der die schreckliche Szene mit Entsetzen beobachtete, klemmte den Schwanz ein und floh von dort, ohne auch nur hinter sich zu schauen. Der Esel aber, der dank seines Verstandes und seiner Gelassenheit gerettet wurde, setzte seinen Weg mit stolzen Schritten fort. Der Wolf, dessen Kiefer zerschmettert war, konnte erst, als es zu spät war, verstehen, dass auf den Hufeisen keine Schrift stand. So musste er den Preis für seine Unwissenheit und seine Eile sehr teuer bezahlen. Diejenigen, die unbedacht handeln, begreifen die Größe der Gefahr, der sie begegnen, erst nachdem sie Schaden erlitten haben. Wer durch eigene Schuld fällt, weint nicht.