Der Berg gebar eine Maus
Vor langer Zeit erhob sich am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, eine stattliche Felsmasse. Diese riesige Masse war wie ein stiller Riese, den alle Tiere ringsum mit tiefer Ehrfurcht betrachteten. Die grünen Bäume und die rauschenden Bäche um sie herum verneigten sich vor ihrer Würde geradezu mit Achtung. Die lieben Bewohner des Waldes lebten jahrelang in Frieden im Schatten dieses ruhigen Hügels. Doch an einem Frühlingsmorgen machte diese Stille plötzlich seltsamen und furchterregenden Geräuschen Platz. Ein heftiges Grollen, das aus der Tiefe kam, begann die Erde wie eine Wiege zu schaukeln und die Bäume zittern zu lassen. Der Hügel bebte auf einmal, und aus seinem Innern stieg dunkler Rauch in die Luft und bedeckte den Himmel.
Die aufgeschreckten Hasen, die neugierigen Füchse und die scheuen Gazellen kamen voller Furcht zusammen. Die alte und weise Eule rief von einem hohen Zweig besorgt zu der Menge hinunter. „Der stattliche Hügel erwacht; sicher wird ein gewaltiger Drache oder ein zerstörerisches Ungeheuer geboren!“, sagte sie. Den Tieren, die diese Worte hörten, stieg das Herz in den Hals, und sie sahen mit angsterfüllten Augen zum Hügel. Der Lärm wurde mit jeder Minute größer, und die Felsen brachen mit großer Wut aus ihrem Platz. Alle zogen sich aufgeregt zurück, hielten den Atem an und machten sich daran, das Ende dieses gewaltigen Ereignisses abzuwarten. Diese schrecklichen Ausbrüche, die tagelang dauerten, reichten aus, um allen Lebewesen im Tal den Schlaf zu rauben.
Schließlich öffnete sich unter einem gewaltigen Grollen ein riesiger Spalt am Gipfel des Hügels. Alle warteten mit großem Entsetzen darauf, dass ein riesiges Geschöpf herauskäme. Als sich der Rauch langsam zerstreute, erschien aus der Staubwolke eine winzige und graue Gestalt. Das Ding, das durch den Spalt schlüpfte und auf den Felsen kletterte, war nur eine winzige Maus. Die kleine Maus sah sich mit erstaunten Augen um und piepste fröhlich und ließ dabei ihre Schnurrhaare zittern. Dieser liebe Anblick nach einer so gewaltigen Erwartung ließ alle Tiere im Wald in Gelächter ausbrechen. Hinter großem Lärm stecken nicht immer große Ergebnisse. Viel Lärm, keine Frucht.