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Der Bauer und seine Frau

Niveau C1 · 392 Wörter

Der Bauer und seine Frau

Es war einmal in einem friedlichen Dorf, das von duftenden Kiefernwäldern umarmt wurde, ein armer Bauer und seine Frau. Von morgens bis abends bearbeiteten sie mit ihren schwieligen Händen die Erde und versuchten, sich mit ihren geringen Mitteln satt zu essen. Die Abendsonne, die durch das Fenster ihrer hölzernen Hütte fiel, erhellte ihren bescheidenen, mit Einfachheit geschmückten Tisch. Der arme Bauer war geduldig und genügsam; doch seine Frau seufzte oft mit Träumen von Reichtum. Die Frau beneidete das prunkvolle Leben der Kaufleute in der Nachbarstadt und fand das kleine Feld in ihren Händen nie ausreichend. An einem warmen Herbsttag fand der Mann, während er unter der alten Eiche am Rand des Feldes ruhte, einen in der Erde vergrabenen kupfernen Topf.

Als er den Deckel des Topfes aufgeregt öffnete, stieß er auf Dutzende von Goldmünzen, die im Tageslicht hell funkelten. Voller Freude lief er nach Hause, stellte den Topf auf den Tisch und überbrachte seiner Frau die frohe Nachricht. "Nun werden wir diesem armen Leben Lebewohl sagen und ein Leben führen, das Palästen würdig ist", rief die Frau, deren Augen vor Gier glänzten. Der Mann aber warnte seine Frau und sagte: "Die Gier raubt dem Menschen den Verstand, wir müssen dieses Vermögen sorgfältig ausgeben." Doch die Frau schenkte den Worten ihres Mannes kein Gehör, ging sofort in die Stadt und kaufte teure Stoffe und Schmuck. Sie warf sogar alle alten Sachen im Haus auf die Straße, um vor ihren Nachbarn zu prahlen.

Nicht lange danach drang das Gerücht dieses plötzlich gekommenen Reichtums bis an die Ohren schlauer Räuber. Um Mitternacht schlichen sich zwei Diebe, die ihre Schwerter zogen, leise in die Hütte und stahlen den Topf auf dem Tisch und alle gekauften wertvollen Sachen. Als sie am Morgen erwachten und sahen, dass ihr Haus geplündert worden war, blieben die Eheleute in großer Verblüffung und Trauer zurück. Während die Frau unter Tränen ihre Fehler einsah, begriff sie, dass sie den Frieden in ihren Händen und ihre alte sichere Ordnung durch ihre eigene Gier verloren hatte. Der Bauer nahm die Hand seiner Frau und umarmte sie, und gemeinsam beschlossen sie, wieder zur Erde zurückzukehren und im Schweiße ihres Angesichts zu arbeiten. In kurzer Zeit setzten sie neue Dinge an die Stelle der verlorenen Sachen und kehrten zu ihrem friedlichen und bescheidenen Leben zurück. Solange der Mensch den Wert dessen, was er hat, nicht kennt und sich nicht begnügt, kann er auf der Jagd nach Abenteuern mit ungewissem Ausgang seinen Frieden völlig verlieren. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.