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Der Bauer und sein Ochse

Niveau C1 · 340 Wörter

Der Bauer und sein Ochse

Es war einmal in einem reizenden Dorf am Fuße nebliger Berge ein alter Bauer, der sein Feld mit unendlicher Mühe bestellte. Der kostbarste Besitz des Bauern war sein treuer und kräftiger Ochse, der ihm half, den Boden zu pflügen. An einem Frühlingsmorgen, als sich der Geruch feuchter Erde über das Dorf legte, bemerkte der Bauer, dass die Stalltür weit offen stand. Sein einziger Ochse war nirgends zu sehen, und tiefe Spuren im Boden zogen sich zu den dunklen Tiefen des Waldes hin. Das Herz voller Sorge, griff der alte Mann nach seinem Stab und machte sich auf den Weg in den dunstigen Wald. Auf einem unheilvollen Pfad, wo die Bäume dichter wurden und die Vogelstimmen verstummten, begann er den Spuren zu folgen.

Voller Zorn und Verzweiflung blickte er zum Himmel und rief die Geister des Waldes an. "Bitte helft mir, den Dieb zu finden, der meinen Ochsen gestohlen hat, und ich werde euch mein fettestes junges Zicklein als Opfergabe darbringen!", flehte er. In dem schwachen Licht, das durch die Äste sickerte, beschleunigte er seine Schritte. Ein Stück weiter begann zwischen den Felsen ein schreckliches Knurren zu hallen. Von seiner Neugier überwältigt, versteckte sich der Bauer hinter dem Gebüsch und streckte langsam den Kopf hervor. Bei dem Anblick, der sich ihm bot, versagten ihm die Knie und der Atem stockte ihm in der Kehle.

Ein gewaltiger Löwe hatte seinen Ochsen zerrissen und stand mit blutigen Pranken stolz über seiner Beute. Als der Bauer begriff, dass der Dieb ein mächtiges Raubtier war, fiel eine unbeschreibliche Angst in sein Herz. Er öffnete seine zitternden Hände und schrie diesmal voller Entsetzen zum Himmel. "Ach du meine Güte, eben noch sagte ich, dass ich ein Opfer darbringe, wenn ich den Dieb finde!", flüsterte er. "Doch nun verspreche ich euch, einen großen Stier zu opfern, wenn ich diesem Ungeheuer heil entkomme!" Ohne sich auch nur umzublicken, floh er in der Panik seiner Angst aus den Tiefen des Waldes dem Dorf entgegen. Manchmal weiß der Mensch nicht, was er sich wünscht, und der Wahrheit zu begegnen, die er suchte, kann weit schwerer wiegen, als er dachte. Iss einen großen Bissen, aber sprich kein großes Wort.