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Der Bauer, der sein Pferd verkaufte

Niveau C1 · 359 Wörter

Der Bauer, der sein Pferd verkaufte

Vor langer Zeit lebte am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser sanft dahinflossen, ein alter Bauer. Der treueste Freund dieses Bauern war ein graues Pferd von edler Haltung, das seit Jahren seinen Pflug zog. Doch das erbarmungslose Rad der Zeit hatte sich gedreht, und die letzte Münze in der Tasche des alten Mannes war aufgebraucht. Hilflos geworden, beschloss der Bauer, sein treues altes Pferd, das er innig liebte, auf dem Marktplatz zu verkaufen. Als das erste Morgenlicht durch das neblige Tal glitt, machten sie sich mit traurigen Schritten auf den Weg in die Stadt. Der überfüllte Marktplatz hallte vom Geschrei der Händler und den Lauten der Reittiere wider. Ein schlauer Händler bemerkte die Anmut des alten Pferdes und trat sogleich an den Bauern heran.

"Dieses greise Tier kann keine Last mehr tragen, ich gebe dir nur drei Silbermünzen", sagte der Händler. In seiner Verzweiflung nahm der Bauer das Angebot an und übergab dem Mann widerwillig das Halfter. Als er mit dem wenigen Geld in der Tasche nach Hause ging, erfüllten ihn ein schweres Bedauern und eine tiefe Einsamkeit. In der folgenden Woche, als er auf denselben Markt kam, sah er ein prächtiges Pferd, das mit einem geschmückten Sattel hell glänzte. Der Verkäufer verlangte für dieses prachtvolle Reittier volle dreißig Goldmünzen. Als der Bauer sich dem Pferd näherte, spürte er jene vertraute Wärme in den Augen seines eigenen alten Freundes. Es stellte sich heraus, dass der schlaue Händler das Pferd nur gestriegelt und gefärbt und für ein großes Vermögen zum Verkauf angeboten hatte.

Der Bauer sammelte all seine Ersparnisse und sein Silber zusammen und bemühte sich, sein Pferd zurückzukaufen. Doch die kärglichen Münzen in seiner Tasche kamen nicht einmal in die Nähe der hohen Summe, die der Händler verlangte. Als er in der Abenddämmerung mit leeren Händen ins Dorf zurückkehrte, traute er seinen Augen nicht, als er die Stalltür öffnete. Das treue Pferd hatte sich vom Halfter losgerissen und war entflohen, und der Witterung seines Herrn folgend war es längst nach Hause zurückgekehrt. Der alte Bauer umarmte unter Tränen seinen Freund und versprach, sich nie wieder von ihm zu trennen. Der unschätzbare Wert wahrer Freundschaft wird erst dann ganz begriffen, wenn die Angst vor dem Verlust an die Tür klopft. Alte Freunde soll man für neue nicht opfern.