Der Araber und sein Kamel
Vor langer Zeit lebte in einer magischen Wüste, in der sich gelber Sand wie ein endloses Meer erstreckte, ein gütiger Mann. Dieser Mann hatte ein riesiges und treues Kamel, das er sehr liebte. Eines Abends begann in der Wüste ein eiskalter Wind zu wehen. Der Mann stellte sofort sein Zelt auf und suchte drinnen Zuflucht.
Das draußen gebliebene Kamel streckte seinen Kopf durch die Zelttür. „Herr, draußen ist es sehr kalt, darf ich nur meine Nase hineinstecken?“, bat es. Der gütige Mann hatte Mitleid mit seinem Kamel und stimmte zu. Wenig später wollte das Kamel auch seine Vorderbeine hineinstecken. Der Mann zeigte wieder Erbarmen und erlaubte es.
Im Laufe der Nacht schob das Kamel nach und nach seinen ganzen Körper ins Zelt. Als das Zelt zu eng wurde, stieß das Kamel seinen Besitzer nach draußen. „Das Zelt ist für uns beide zu klein, du kannst draußen bleiben“, sagte das Kamel. Während der Mann in der Kälte zitterte, erkannte er, dass er die Strafe für zu viele Zugeständnisse erlitt.
Gibst du ihm den kleinen Finger, nimmt er die ganze Hand. Übermäßiges Mitleid bringt Unheil. Wer keine Grenzen setzt, verliert seine Rechte. Erlaube nicht, dass dein guter Wille missbraucht wird. Kleine Zugeständnisse führen zu großen Verlusten. Übermäßige Nachsicht bringt Reue.