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Der alte Vater und der missratene Sohn

Niveau C1 · 386 Wörter

Der alte Vater und der missratene Sohn

Vor langer Zeit lebte in einer friedlichen Stadt, die von dichten Wäldern umarmt wurde, ein barmherziger Greis mit weißem Haar. Jahrelang hatte er nie gezögert, das Vermögen, das er mit harter Arbeit verdient hatte, für die Zukunft seines einzigen Sohnes auszugeben. Der Sohn aber, der heranwuchs und heiratete, wurde von Tag zu Tag kälter gegenüber seinem Vater, als er mit der Zeit der Besitzer des Anwesens wurde. Der alte Mann, der sein Vermögen seinem Kind übergeben hatte, war leider in seinem eigenen Haus zu einem Fremden geworden. In die dunkelste Ecke des Hauses gedrängt, weinte dieser gebeugte alte Mann jede Nacht still. An einem Abend im Winter, während der eisige Wind an den hölzernen Fenstern rüttelte, zitterte der alte Mann vor Kälte. Seine alte Kleidung war abgenutzt, und der Frost, der ihm bis in die Knochen drang, hatte ihn völlig schwach gemacht.

Mit zitternder Stimme rief er seinem Sohn zu: "Mein Sohn, gibst du mir eine warme Decke, die meinen frierenden Rücken bedeckt?" Der treulose Sohn hielt diese unschuldige Bitte seines Vaters für eine Last und befahl seinem kleinen Kind, eine Decke zu holen. "Geh, hol die alte Decke des Pferdes aus dem Stall und gib sie deinem Großvater", sagte er und wandte sich ab. Das kleine Kind zerschnitt die Decke, die es aus der dunklen Kammer geholt hatte, genau in der Mitte in zwei Teile. Als der Mann sah, dass sein Sohn die Decke zerschnitten hatte, schrie er zornig: "Was machst du da, warum hast du die riesige Decke zerstört?" Der tiefe Blick in den Augen des Kindes widerstand mutig dem harten Zorn seines Vaters. Das kleine Kind legte die Hälfte, die es in der Hand hielt, liebevoll über die Schultern seines Großvaters.

Dann wandte es sich an seinen Vater und sagte: "Ich hebe die andere Hälfte der Decke auf, Vater." Der erstaunte Mann fragte neugierig: "Warum hebst du sie auf, wozu wird dir diese Hälfte nützen?" Der Enkel gab diese Antwort, die wie eine Ohrfeige niederging: "Wenn du alt und schwach wirst, werde auch ich dich mit dieser Hälfte zudecken." Diese Worte fielen wie ein Blitz in das Herz des treulosen Sohnes, und vor Scham über seine Tat sank er auf die Knie. Der Sohn, der seinen Fehler erkannte, warf sich unter Tränen über die Hände seines Vaters und bat um Vergebung. Kinder werden in der Zukunft von ihren eigenen Kindern so viel Achtung erfahren, wie sie ihrer Mutter und ihrem Vater Respekt erweisen. Was du säst, das wirst du ernten.