Der alte Mann und sein Sohn
Es war einmal, am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser plätschernd flossen, da lebten ein alter Mann und sein Sohn. Mit den Jahren waren die Augen des Vaters schwach geworden, und wegen seiner zitternden Hände verschüttete er seine Suppe oft auf dem Tisch. Sein Sohn und seine Schwiegertochter wurden mit jedem Tag ungeduldiger, statt über den Zustand des armen Mannes betrübt zu sein. Schließlich beschlossen sie, den alten Vater vom Haupttisch zu entfernen und ihn in eine abgelegene Ecke am Herd zu setzen. Der unglückliche Mann begann mit feuchten Augen auf dem hölzernen Stuhl am Herd ganz allein sein Essen zu essen. An einem Abend zitterten die Hände des alten Vaters wieder heftig, und die Schüssel aus Porzellan fiel zu Boden und zerbrach. Sein Sohn wurde zornig, fuhr ihn hart an und sagte: "Von nun an geben wir dir das Essen in einer hölzernen Schüssel."
Der alte Mann seufzte tief, doch er begrub seine Trauer in seinem Herzen und gab keinen Laut von sich. Am nächsten Tag begann der kleine Enkel des Mannes, die Holzklötze im Garten geduldig mit einem Messer zu schnitzen. Als sein Vater sah, dass das Kind das Holz mit tiefer Aufmerksamkeit formte, trat er neugierig zu ihm. Mit einem Lächeln voller Liebe fragte er: "Sag mir, mein Kind, was machst du da?" Das kleine Kind hob seinen unschuldigen Blick zu seinem Vater und antwortete mit einer äußerst ruhigen Stimme. "Ich schnitze eine hölzerne Schüssel, damit du daraus dein Essen isst, wenn du groß und alt wirst, Vater." Diese Worte fielen wie ein Blitz in das Herz des Vaters und entfachten einen großen Sturm in seinem Kopf.
Unter der Last des Fehlers, den er begangen hatte, zerdrückt, lief der Sohn sogleich zu seinem alten Vater am Herd. Er hielt die schwieligen und zittrigen Hände des alten Mannes und bat unter Tränen um Vergebung. Er umarmte ihn zärtlich und setzte ihn wieder auf den Ehrenplatz des Tisches, indem er ihn in höchsten Ehren hielt. Von jenem Tag an wischte er jede verschüttete Suppe seines Vaters mit Liebe auf und sagte nie wieder ein einziges verletzendes Wort zu ihm. Die kleine Hütte verwandelte sich in ein friedliches Heim, das von der Wärme des Respekts und der Treue überfloss. Der Mensch schuldet den Älteren, die ihn großgezogen haben, dieselbe Zärtlichkeit und denselben Respekt, die er seinem eigenen Kind erweist. Was du säst, das wirst du ernten.