Der Affe und der Kaufmann
Es war einmal in einer reichen Hafenstadt am Ufer der tiefblauen Meere ein listiger Kaufmann, der dort sein Leben führte. Dieser Kaufmann hatte ein großes Vermögen angehäuft, indem er die seltenen Stoffe und Gewürze verkaufte, die er aus fernen Ländern brachte. Er hatte auch einen niedlichen, aber überaus nachahmenden Affen, den er nie von seiner Seite ließ. Der Affe beobachtete jede Bewegung seines Herrn mit großer Aufmerksamkeit und hatte großes Vergnügen daran, dessen Taten haargenau nachzuahmen. An einem heißen Sommermorgen bestieg der Kaufmann mit seinem Beutel voller Gold ein hölzernes Schiff, um zu einer neuen Handelsreise aufzubrechen. Der Kaufmann ließ sich auf dem Deck nieder, holte seine den ganzen Tag hell funkelnden Goldmünzen hervor und begann, sie eine nach der anderen zu zählen.
Der Affe, der ihn aus einer Ecke beobachtete, prägte sich ein, wie der Mann die Münzen mit den Fingern ergriff und fröhlich wog. Je weiter die Reise ging, desto unruhiger wurde das Meer, und der müde Kaufmann fiel in einen tiefen Schlaf, während der Beutel an seinem Kopfende lag. Der kluge Affe nutzte die Gelegenheit, schlich sich lautlos heran, schnappte sich den schweren Goldbeutel und kletterte auf die Spitze des Mastes. Das niedliche Tier saß im Schatten der Segel, öffnete den Beutel und begann das Gold herauszunehmen, so wie sein Herr es am Tage getan hatte. Der Affe warf zuerst eine Goldmünze auf das hölzerne Deck des Schiffes und ließ dann die andere in die aufgewühlten Wasser des Meeres fallen. Während eine Münze ins Meer und eine auf das Deck fiel, mischte sich das Klimpern in das Rauschen der Wellen und hallte wider.
Die Matrosen auf dem Schiff sahen diesem seltsamen Schauspiel verwundert zu, wagten es aber nicht, sich beim Affen einzumischen. Vom entstandenen Lärm erwacht, sah der Kaufmann, dass der Beutel an seinem Kopfende leer war, und hob entsetzt den Kopf. Als er sah, dass die Hälfte seines einzigen Vermögens in den Tiefen der tiefblauen Wasser verloren gegangen war, begann er hilflos zu wehklagen. Obwohl er rief: "Halt, tu das nicht!", lächelte der Affe seinen Herrn an und schleuderte auch die letzte Münze ins Meer. Als der Beutel ganz leer war, kam der Affe fröhlich herunter und legte den leeren Beutel seinem Herrn in den Schoß. Der Kaufmann, der die Hälfte des mit List gewonnenen Vermögens dem Meer überlassen hatte, sah seinen nachahmenden Freund an und begriff den Fehler, den er begangen hatte. Vor anderen zu prunken und sich mit unrechtem Gewinn zu brüsten, lässt einen Menschen eines Tages im unerwartetsten Augenblick Verluste erleiden. Was mit dem Wind kommt, geht mit der Flut.