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Der Affe und der Bär

Niveau C2 · 376 Wörter

Der Affe und der Bär

Es war einmal, im Herzen eines tiefen Waldes, den mächtige Platanen beschatteten, eine liebe Affenmutter. Eines Tages kamen die Zwillingskinder dieser Äffin zur Welt. Die Affenmutter verehrte eines ihrer Kinder mit reiner Bewunderung, das andere aber vernachlässigte sie aus irgendeinem Grund ständig. Das Kind, das sie verehrte, drückte sie an ihre Brust, zitterte um es und ließ es, um es vor jeder Gefahr zu bewahren, beinahe nicht einmal atmen. Das vernachlässigte, unglückliche Kind dagegen lernte, sich selbst zu helfen und sich mit eigener Kraft an den Ästen festzuhalten. Als im Wald die Jahreszeiten wechselten und der Wind hart zu wehen begann, steigerte die Affenmutter ihre beschützende Haltung noch mehr. Eines Tages hallte plötzlich ein lauter Laut wider, und die Bewohner des Waldes gerieten in große Panik.

Die Mutter, die das Nahen der Gefahr ahnte, nahm ihren Liebling, den sie wie ihren Augapfel hütete, in den Arm und drückte ihn fest an ihre Brust. Das verachtete andere Kind dagegen kletterte auf den Schrei der Mutter hin schnell auf ihren Rücken und hielt sich fest an ihrem Fell. "Ich werde dich niemals loslassen, mein liebes Kind", flüsterte die Affenmutter und begann zu laufen. Während sie voller Entsetzen von Ast zu Ast sprang, drückte sie das Kind in ihrem Arm noch heftiger an die Brust, damit es nicht zerdrückt würde. "Mama, lockere ein wenig deine Arme, ich bekomme keine Luft", stöhnte das winzige Kind in ihrem Arm. Doch die übermäßig besorgte Mutter hörte diesen schwachen Schrei ihres Kindes nicht und umschlang es noch kräftiger. Das vernachlässigte Kind auf ihrem Rücken dagegen lernte, dem Wind zu widerstehen, und passte sich den Bewegungen der Mutter an.

Als sich die Affenmutter endlich aus der gefährlichen Gegend entfernte und in einer sicheren Höhle anhielt, holte sie tief Luft. Als sie ihre Augen liebevoll auf das verwöhnte Kind in ihrem Arm richtete, stand sie einer bitteren Wahrheit gegenüber. Sie begriff, dass ihr einziges Kind, das sie aus lauter Schutzsucht so an die Brust gedrückt hatte, bis ihm die Luft ausging, gestorben war. Während sie unter Tränen jammerte, fiel das vernachlässigte Kind von ihrem Rücken in ihren Arm und versuchte, sie zu trösten. Untröstlich begriff sie, dass übertriebene Beschützerei und grundlose Verwöhnung den größten Schaden anrichten. Unkontrollierte und übermäßige Liebe fügt manchmal gerade dem Leben den größten Schaden zu, das sie schützen will. Zu viel Schutz bringt dem Liebsten den größten Schaden.