Das Schwert und der Wanderer
Es war einmal am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein bescheidener Wanderer. Dieser weise Mann, der jahrelang die Pfade abgeschritten hatte, liebte es sehr, dem Flüstern der Natur zu lauschen. An einem milden Herbstnachmittag, als goldgelbe Blätter die Wege schmückten, sah er mitten auf dem Pfad ein scharfes Schwert glänzen. Dieser kalte Stahl, aus der Scheide gezogen, funkelte unter den letzten Strahlen der untergehenden Sonne geradezu wie eine gefährliche Flamme. Als der Wanderer bemerkte, dass niemand in der Nähe war, näherte er sich dem Gegenstand langsam und voller Neugier. Bevor er diese prächtige Waffe, die einsam am Boden lag, in die Hand nahm, begann er sie aufmerksam zu betrachten. Genau in diesem Augenblick erhob sich aus der Tiefe des Schwertes eine hallende und eiskalte Stimme.
"Suchst du meinen Herrn, der mich hier einfach zurückließ und fortging, o Reisender?", sagte das Schwert. Der Wanderer, der seine Verblüffung zu verbergen suchte, fragte: "Wer hat dich auf diesem Pfad fallen lassen, wem gehörst du?" Das Schwert polierte die silbernen Verzierungen an seinem Leib und seufzte mit einer geheimnisvollen Miene, die seine Trauer und seinen Hochmut zugleich barg. "Ein einsamer Krieger, der seinem Zorn erlegen war, hat mich hier fallen lassen", antwortete es. "Doch die Wahrheit ist, dass ein Einziger mich verloren hat, ich aber Hunderten von Menschen Leid zugefügt habe." Der Wanderer versank angesichts der Tiefe dieser dunklen Worte, die die Waffe ausgesprochen hatte, in ein tiefes Schweigen. Ihn fröstelte innerlich, je mehr er darüber nachdachte, wie Zorn und Zerstörung den menschlichen Geist blenden.
Der Wanderer fasste sogleich seinen Entschluss, um zu verhindern, dass dieser gefährliche Gegenstand weiteres Unheil anrichtete. Er hob das Schwert mit Ehrfurcht und größter Sorgfalt vom Boden auf und ging auf den tiefen Abgrund am Rande des Weges zu. Diesen scharfen Stahl, das Werkzeug des Zorns, schleuderte er entschlossen hinab zum Grund des dunklen Tales. Das Zerschellen des Stahls an den Felsen hinterließ ein befreiendes Echo in den Tiefen des Waldes. Der Friede auf dem von Gefahr befreiten Pfad breitete sich mit dem sanften Flüstern des Windes wieder über das ganze Tal aus. Wer im Zorn handelt, merkt nicht, dass er sein eigenes Unheil in sich trägt. Scharfer Essig schadet seinem eigenen Krug.