Das Pferd und die Last der Ziege
Es war einmal, im Herzen eines windigen Tals, in dem kühle Wasser flossen, da wurde ein weithin berühmter Markt abgehalten. Auf diesem Markt boten die Dorfbewohner den Käufern ihre kostbarsten Erzeugnisse und ihre beliebtesten Tiere an. Ein alter Händler hatte ein prächtiges Pferd mitgebracht, dessen Mähne wie Gold glänzte, und eine fröhliche Ziege, die nicht von seiner Seite wich. Als der reichste Bauer der Stadt dieses Fohlen sah, das so schnell wie ein Sturm war, konnte er vor Bewunderung die Augen nicht abwenden. Doch der alte Händler hatte nicht die geringste Absicht, diese beiden Freunde zu trennen. Der reiche Bauer trat mit stolzer Miene an den Händler heran und erklärte, er wolle nur jenes edle Pferd kaufen.
Der alte Mann strich sich über den Bart und lächelte: "Das ist unmöglich, mein Herr, ohne die Ziege macht das Pferd nicht einen Schritt." Der schlaue Käufer, der anbot, den Preis zu verdoppeln, wollte sich keine störrische Ziege aufladen. "Ich kaufe keine Treue, ich will nur ein starkes Reittier, das mir nützt", sagte er und verachtete die Ziege. Daraufhin löste der greise Händler den Halfter des Pferdes, flüsterte ihm ins Ohr und trat einen Schritt zurück. Das edle Ross, nun frei, wurde ohne das begeisterte Meckern der Ziege plötzlich wild und bäumte sich störrisch auf. So sehr sich der Bauer auch mühte, es gelang ihm einfach nicht, das riesige Tier zu beruhigen.
Als die kleine Ziege sich mit lieblicher Art den Füßen des Pferdes näherte, beruhigte sich das stolze Ross sofort und legte seinen Kopf auf ihren Rücken. Erstarrt vor dieser unerschütterlichen Freundschaft, die er sah, hatte der Bauer endlich die Quelle der wahren Stärke begriffen. Er erkannte, dass jene winzige Ziege, die er verachtet hatte, ein verborgenes Kleinod war, das der Seele des edlen Rosses Ruhe schenkte. Von seinem Ehrgeiz geläutert, kaufte der Mann ohne zu zögern die beiden zusammen und machte sich auf den Weg zu seinem Hof. Von jenem Tag an liefen das starke Pferd und die liebe Ziege fröhlich Seite an Seite über die weiten Felder. Der Bauer aber erlebte dank dieses wunderbaren Paares die fruchtbarsten und friedlichsten Jahre seines Lebens. Wahre Liebe und Treue sind das Fundament und die unverzichtbare Ergänzung selbst der größten Kräfte. Ein Stein macht noch keine Mauer, ein Baum macht noch keinen Wald.