Das Festmahl im Palast des Löwen
Es war einmal eine prächtige Höhle im Schoß endloser Wälder, und dort lebte der Herrscher des Waldes. Der mächtige Löwe beschloss, ein gewaltiges Festmahl zu geben, um seine Herrschaft zu feiern. An den Bären, den Affen und den Fuchs, die angesehensten Tiere der Gegend, wurden vergoldete Einladungen geschickt. Dieser prunkvolle Palast tief im Wald war mit köstlichen Speisen und goldenen Kelchen geschmückt. Voller Aufregung und ein wenig Besorgnis traten die Gäste durch das verzierte Tor des Palastes ein. Im fröhlichsten Augenblick des Festmahls wandte sich der Löwe an seine Gäste, stolz auf den Glanz der Versammlung, die er gegründet hatte. Mit einer milden Stimme, die sein gewaltiges Brüllen dämpfte, fragte er, wie sie den Geruch seines Palastes fänden.
Der taktlose Bär, der als Erster das Wort ergriff, sagte geradeheraus, die Höhle rieche feucht und schwer. Der Löwe, über diese harte Antwort erzürnt, bestrafte den Bären auf der Stelle mit einem Prankenhieb. Der schlaue Affe, der diesen furchtbaren Anblick sah, mischte sich sogleich ein und begann zu schmeicheln. Er behauptete, der Palast dufte nach wohlriechendem Amber und nach frischen Rosen. Doch der Löwe, über dieses falsche Lob noch zorniger, beschuldigte den Affen der Lüge und ließ ihn in den Kerker werfen. Nun war der vorsichtige und kluge Fuchs an der Reihe, der sich in der Ecke des Tisches zusammenkauerte. Der Löwe heftete seine scharfen Augen auf den Fuchs und richtete dieselbe Frage auch an ihn.
Der Fuchs gebrauchte seinen Verstand und seine Vorsicht und tat so, als hole er tief Luft. Nachdem er ein paar Mal höflich gehustet hatte, gab er seiner Stimme einen verlegenen Ton. Er brachte vor, dass er sich eine schwere Erkältung zugezogen habe und seine Nase gar nichts rieche. Weder zeigte er eine grobe Ehrlichkeit, noch nahm er zu gekünsteltem Lob Zuflucht. Der Löwe fand angesichts dieser klugen Antwort kein Wort und beglückwünschte den Fuchs. Der kluge Fuchs schaffte es, diesen gefährlichen Palast frei und ohne einen Kratzer zu verlassen. Wer in gefährlichen Versammlungen seinem Verstand folgt, entgeht wohlbehalten jedem Unglück. Es gibt Worte, die ein Werk vollenden, und Worte, die einen Kopf kosten.