Äsop und die Korinther
Es war einmal ein stolzes Volk, das in einer reichen Hafenstadt lebte, in der der Wind sanft wehte. Diese schöne Stadt namens Korinth war überall für ihre goldenen Türme und bunten Märkte bekannt. Doch die Stadtbewohner prahlten ständig mit ihren edlen Vorfahren und kümmerten sich nicht um Fremde. Eines Tages beschloss der weise Geschichtenerzähler Äsop, diese prächtige Stadt zu besuchen. Äsop war traurig zu sehen, dass die Menschen stolz nur auf Reichtum und Stammbaum waren.
Die Menge, die sich auf dem Hauptplatz der Stadt versammelt hatte, umringte Äsop und begann ihn zu verspotten. Ein hochmütiger Kaufmann trat vor und prahlte: "Unsere Vorfahren sind Könige!" Lächelnd holte Äsop ein kleines Stück Schlamm und einen glänzenden Stein aus seiner Tasche. "In alten Zeiten, als die Natur die Menschen aus Ton knetete, fügte sie jedem die gleiche Liebe hinzu", sagte er. "Eure edlen Vorfahren haben euch ein wunderbares Erbe hinterlassen, aber was tut ihr heute?" Jemand in der Menge schrie weiter: "Unser Geschlecht ist das erhabenste Geschlecht!" Äsop holte tief Luft und erzählte den hochmütigen Menschen auf dem Platz ein weises Märchen.
Eine Kiefer auf dem Gipfel hoher Berge blickte hochmütig auf ein kleines Gänseblümchen im Tal herab. Doch als ein Sturm losbrach, stürzte die Kiefer um, während das biegsame Gänseblümchen überlebte. Als die Korinther diese eindrucksvolle Geschichte hörten, hielten sie kurz inne und versanken in tiefe Gedanken. Sie begannen zu verstehen, dass die Größe ihrer Vorfahren sie nicht zu besseren Menschen machte. Der älteste weise Mann der Stadt verneigte sich respektvoll vor Äsop und dankte ihm. Von diesem Tag an lernten die Stadtbewohner, Menschen nach ihrer Güte und nicht nach ihrer Herkunft zu beurteilen. Äsop ließ das Stück Schlamm aus seiner Tasche auf den Boden fallen und machte sich mit einem süßen Lächeln auf den Weg.
Wahrer Wert liegt nicht in der Vergangenheit eines Menschen verborgen, sondern in seinem eigenen Herzen und Handeln. Ein Baum wird an seinen Früchten erkannt, ein Mensch an seinen Taten.