Äsop und der Siegerathlet
Es war einmal eine alte Stadt, die von smaragdgrünen Hügeln umarmt wurde, und dort fanden große Wettkämpfe statt. Der junge Sportler, der in dieser Stadt lebte, war ein berühmter Ringer, der mit seiner Kraft und seiner Schnelligkeit die Bewunderung aller gewann. Doch seine großartigen Siege hatten mit der Zeit begonnen, sein Herz mit Stolz und Hochmut zu füllen. Der weise Äsop dagegen saß auf dem Marktplatz, beobachtete still das Verhalten der Menschen und versank in tiefe Gedanken. An einem sonnigen Frühlingsmorgen bebte die Stadt vor Aufregung wegen des großen Festes. Auch im letzten Wettkampf besiegte der junge Sportler alle seine Gegner einen nach dem anderen und gewann den großen goldenen Pokal. Während die auf dem Platz versammelte Menge ihn begeistert beklatschte, war der junge Mann voller Stolz.
Er stieg auf die Bühne, hob den Pokal in seiner Hand in die Luft und begann laut zu rufen. „Dieser Sieg ist allein das Werk meiner überlegenen Kraft und meines starken Willens“, sagte er. „Das Glück hat mir nicht geholfen, und ich habe die Unterstützung anderer nicht gebraucht“, fügte er hinzu. Der weise Äsop, der diese hochmütigen Worte hörte, trat aus der Menge nach vorne. Er blickte dem Sportler in die Augen und beschloss, sich ihm mit einem freundlichen Lächeln zu nähern. „Die Kraft deines Armes ist bewundernswert, mein Freund, aber du kannst die Rolle des Glücks bei diesem Sieg nicht leugnen“, sagte er. Der hochmütige Sportler blickte den Weisen mit gerunzelter Stirn an und nahm seine Warnung mit Spott auf.
Der alte Weise machte, ohne den ruhigen Ausdruck in seinem Gesicht zu verlieren, einen Vergleich, der dem Sportler eine Lehre geben sollte. „Wenn der Wind weht, brechen die stärksten Eichen, aber die biegsamen jungen Bäume nehmen keinen Schaden“, sagte er. Ein wahrer Meister ist nicht der, der auf seine Kraft stolz ist, sondern der, der mit seiner Bescheidenheit die Herzen erobert. Glück und Erfolg sind wie ein wechselhafter Wind: Heute weht er zu deinen Gunsten, morgen kann er sich gegen dich wenden. Der junge Sportler, der diese tiefen Worte hörte, verstand seinen Fehler, senkte den Kopf und verneigte sich mit Respekt vor dem Weisen. Wahre Größe liegt nicht in der Kraft des Armes, sondern in einem bescheidenen und demütigen Herzen. Der Baum, der Früchte trägt, neigt seinen Kopf.