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Äsop und der Hund

Niveau B1 · 274 Wörter

Äsop und der Hund

Es war einmal, am Rande eines grünen Waldes, wo kühle Wasser flossen, lebte der weise Äsop. Äsop saß gerne im Garten seiner Hütte und lauschte den friedlichen Klängen der Natur. An einem Herbsttag, an dem ein kalter Wind wehte, kam ein trächtiger und müder Hund in den Garten. In den Augen des Hundes lag ein hilfloses Flehen und in seinen zitternden Schritten eine große Müdigkeit. Sie bat den weisen Mann um einen kleinen Unterschlupf und Hilfe, um ihre Welpen sicher zur Welt zu bringen.

Der barmherzige Äsop hatte Mitleid mit dem armen Tier und stellte ihr seine warme Hütte im Garten zur Verfügung. Einige Wochen vergingen, und die Hündin brachte sechs starke Welpen zur Welt. Mit der Zeit wuchsen die Welpen heran und wurden zu jungen Hunden mit scharfen Zähnen und großen Körpern. Als ursprünglicher Eigentümer der Hütte dachte Äsop, dass die Hunde nun für sich selbst sorgen könnten. Er ging in den Garten und sagte zur Mutterhündin: "Deine Welpen sind jetzt großgezogen, ich brauche meine Hütte zurück." Doch die Mutterhündin legte ihre frühere sanftmütige Haltung beiseite und zeigte gierig ihre Zähne.

"Wenn du uns hier vertreiben willst, musst du zuerst mit meinen starken Kindern kämpfen!", prahlte sie. Äsop erlebte große Erstaunen über die Undankbarkeit des Tieres, dem er einst geholfen hatte. Als das drohende Bellen der heranwachsenden Welpen den Raum erfüllte, musste sich der weise Mann zurückziehen. Da er erkannte, dass Widerstand gegen rohe Gewalt nutzlos war, entfernte sich Äsop leise aus seinem Garten. Als er sah, dass seine Güte mit Bosheit vergolten wurde, prägte er sich dieses Ereignis als Lehre für die Menschen ein.

Unbedacht erwiesene Güte kann eines Tages zu einer Waffe werden, die ihrem Besitzer schadet. Undank ist der Welt Lohn.