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Äsop und der entlaufene Sklave

Niveau B2 · 356 Wörter

Äsop und der entlaufene Sklave

Es war einmal der weise Äsop, der ganz allein am Rand eines alten Waldes ging, wo kühle Wasser sanft flossen. Die goldenen Lichter des Sonnenuntergangs sickerten weich durch die Blätter der alten Platanen auf die Erde. Plötzlich stieg ein Rascheln aus den dichten Büschen am Wegrand auf, und Augen voller Angst erschienen. Ein erschöpfter Sklave, der vor der schweren Grausamkeit seines Herrn floh, rollte atemlos vor die Füße Äsops. Der weise Mann hielt inne und sah mit barmherzigen Augen auf diesen hilflosen, mit Staub und Erde bedeckten Mann. Der flüchtige Mann versuchte, seine zitternde Stimme zu fassen, und sagte, er fliehe in die Berge, um die Freiheit zu erlangen. Als Äsop die blutenden Füße des Mannes und die tiefe Angst in seinem Herzen sah, seufzte er.

„Sieh mich an, mein Freund“, sagte der weise Mann mit sanfter Stimme. „Hast du keine Angst, auf der Flucht vor einem bösen Herrn in einen noch dunkleren Brunnen zu fallen?“ Der flüchtige Mann hob überrascht den Kopf und fragte neugierig, was Äsop damit meine. Lächelnd begann Äsop, ihm die Geschichte eines alten Esels zu erzählen, der seine Last müde war und vor seinem Besitzer floh. „Nachdem dieser Esel geflohen war, wurde er im Wald eine Beute wilder Wölfe und sehnte sich nach seinen alten Tagen.“ „Jeder Schritt, der ohne Nachdenken getan wird, führt den Menschen manchmal nicht zur Freiheit, sondern in ein größeres Unglück.“ Während der flüchtige Sklave diesen tiefen Worten lauschte, fühlte er, wie die dunklen Wolken in seinem Kopf sich langsam auflösten.

Der weise Äsop erklärte dem Sklaven in Ruhe, dass er mit Verstand und nicht mit Zorn handeln müsse. Er betonte, dass die Flucht vor Schwierigkeiten keine Lösung bringe und dass es besser sei, mit Geduld und Vernunft auf die richtige Zeit zu warten. Der Sklave verstand endlich, dass er sich in eine größere Gefahr stürzen würde, wenn er nur nach seinen Gefühlen handelte. Er atmete tief durch, dankte Äsop und wählte einen neuen Weg, auf dem er festere Schritte gehen wollte. Äsop aber setzte seinen Weg fort, während die Sonne unterging, und das hoffnungsvolle Lächeln, das er zurückließ, erleichterte sein Herz. Wer im Zorn und in der Angst eilig entscheidet, kann auf der Suche nach Ruhe in größere Sorgen geraten. Wer alles will, verliert am Ende alles.