Äsop und der Bauer
Es war einmal am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser sanft flossen, ein Mann namens Äsop, der für seine Weisheit bekannt war. Eines Tages machte sich Äsop auf den Weg zu einem friedlichen Dorf, wo sich Felder aus gelbem Weizen erstreckten. Am Rand des Weges stand ein eifriger Bauer, der seinen Acker pflügte, sich aber ständig über seinen bissigen Hund beklagte. Dieser Bauer versuchte seltsame Mittel, um seinen Hund zu erziehen, der jeden Fremden auf dem Weg ansprang. Er meinte, das Tier werde ruhig werden und sein Zorn sich legen, wenn er den Leuten, die der Hund biss, Brot gäbe. Gerade als Äsop zu dem Bauern trat, schoss der bissige Hund plötzlich vor und biss den weisen Mann ins Bein. Äsop wich zwar vor Schmerz zurück, bewahrte aber seine Ruhe und begann zu beobachten, was der Bauer tun würde.
Der Bauer holte sofort eine Scheibe frisches Brot aus seiner Tasche und hielt sie dem Hund vors Maul. Während das Tier das Brot gierig packte und fraß, sah der Bauer den Weisen mit stolzem Lächeln im Gesicht an. "Hast du gesehen, mein weiser Freund? Ich habe ihm eine süße Gabe gereicht, damit er dich nicht wieder anfällt", sagte er. Äsop seufzte tief über dieses unvernünftige Verhalten und schüttelte lächelnd den Kopf. "Sag mir, mein Freund, warum belohnst du diesen Hund, statt ihn zu strafen?", fragte er. Der Bauer verteidigte sein Tun als eine sehr kluge Methode und lobte sich weiter selbst. "So wird der Hund bereuen, was er getan hat, und seinen Biss durch Süßes vergessen", antwortete er.
Während er die Wunde an seinem Bein abwischte, gab Äsop dem Bauern jene geschichtliche Antwort, die er nie vergessen würde. "Oh mein Freund, gib acht, dass die Hunde des anderen Dorfes nicht sehen, was du getan hast!", sagte er und sah ihm in die Augen. "Wenn sie sehen, dass Angriffslust belohnt wird, beißen sie uns alle der Reihe nach, um leckeres Brot zu bekommen", fügte er hinzu. Als der Bauer diese Worte hörte, begriff er den großen Fehler, den er begangen hatte, und senkte beschämt den Kopf. An jenem Tag verstand er, dass das Belohnen der Bosheit nur neuen Bosheiten die Tür öffnet. Falsches Verhalten zu belohnen führt nur dazu, dass der Fehler immer größer wird. Wer verwöhnt wird, wird frech; wem man zu sehr traut, der wird zum Dieb.